Kastrationskampagne in Elbasan, April 2026

Wenn sich eine neue Tür öffnet…

Einsatz vor Ort in Elbasan

Mit großer Freude war bereits zum dritten Mal ein Team rund um Dr. Sigrid Riener, die ihre Praxis in Neunkirchen hat, am Start, um von Donnerstag nachmittags bis Sonntag mittags Hunde und Katzen in Elbasan, Albanien zu kastrieren.

Die Tiere stammten zum Teil aus dem Tierheim, der Großteil kam jedoch von der Straße, gebracht von Tierfreunden, die sich um diese Tiere täglich kümmern.

Unser lieber Tierarzt Jon Lulja, der in Elbasan die Paw Clinic betreibt, stellte uns einmal mehr seine Räumlichkeiten samt Hundepension, wo unsere Patienten sich nach der Operation erholen durften, zur Verfügung.

Im Vorfeld informierte der Tierarzt Jon mittels Social Media Anzeigen, Flyer und Mundpropaganda Tierhalter und Tierfreunde, die Streuner versorgen, in Elbasan über die bevorstehende Aktion.

Auch vom städtischen Tierheim wurden Hunde gebracht, die jedoch in keinem guten Zustand waren. Wir werden an anderer Stelle näher auf diese Problematik eingehen.

Jon, sein Team, StudentInnen und SchülerInnen halfen mit, die Tiere im Vorfeld und nach der Operation zu versorgen, alles in allem an dieser Stelle gleich vorweg – ein Riesendankeschön an alle, die dies ermöglicht haben.  

Dr. Sigrid Riener hat diese tolle Aktion, wie bereits erwähnt, zum dritten Mal arrangiert, ein neunköpfiges Team mit Tierärztinnen, Tierpflegerinnen und einer Physiotherapeutin aufgestellt, sowie Flüge und Hotels bezahlt. Robin Hood sorgte dafür, dass Jon alle notwendigen Medikamente, Antiparasitika und alles, was gebraucht wurde, bestellt und für das Projekt lagernd hatte.

Das Team arbeitete rund um die Uhr bis spät am Abend. Gleich Donnerstag nachmittags, nach Ankunft und einem kurzen Mahl ging es los und es wurde bis Sonntag mittags operiert.

Am Abend, im Hotel, ließen wir den anstrengenden Tag jeweils Revue passieren, um letztendlich im wahrsten Sinne „hundemüde“ ins Bett zu fallen.

Was nach unserem Einsatz bleibt

117 Tiere wurden kastriert, 49 Katzen und 68 Hunde. Man kann sich ausrechnen, wie viele Hunde und Katzen nun weniger auf den Straßen von Elbasan zu finden sein werden. An dieser Stelle sei nochmals betont, nur konsequente Kastrationen beenden dieses Tierleid auf den Straßen. Robin Hood lässt durch den Tierarzt Jon auch außerhalb dieser Kampagnen Hunde und Katzen kastrieren, damit zumindest in Elbasan über die Jahre hinweg das Problem gelöst werden kann.

Die Tierschützerinnen des Vereins „Elbasan Cares For Animals“, dessen Tierheim mit ca. 150 Hunden von Robin Hood unterstützt wird, versorgen zusätzlich jeden Tag an die 100 Hunde und Katzen auf einem riesigen Betriebsgelände in Elbasan und fahren sogar bis in die umliegenden Berge, um vergessenen Tieren ihr Essen zu bringen. 

Man bedenke, sie füttern wirklich jeden Tag, egal ob Wochenende oder Feiertag. Immer, denn die Tiere brauchen jeden Tag Nahrung und kennen keinen Feiertag, an dem der Hunger Pause macht!

Vera hatte nun auch einige Ziegen und Schafe vor dem Schlachter gerettet und ein Schaf hat sogar ein Junges. Die Schafmutter verteidigte es mit mutigem Herzen, wenn man ihm zu nahe kam.

Im Tierheim arbeiten nun zwei Frauen gegen Bezahlung, die wohl nicht sehr groß sein wird…sie putzen und helfen beim Füttern, man sieht ihnen an, dass es das Leben nicht sehr gut mit ihnen gemeint hat. Ich habe ihnen etwas Geld und Schokolade gegeben…wohl nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ihres harten Alltags…

Robin Hood hilft jedoch auch Einzelpersonen außerhalb der Stadt, wie einem Feuerwehrmann, der viele Hunde und Katzen versorgt, sie kastrieren lässt und füttert. Auch ein anderer Mann, der in seiner Wohnung viele Katzen beherbergt und auf einem Grundstück Hunde hält und betreut, wird von uns unterstützt. Ich war wirklich sehr beeindruckt von diesem Mann, der sauber und gepflegt ist und man sehen kann, wie sehr er diese Tiere liebt. Doch auch die Hunde und Katzen lieben ihn, als wir sie nämlich von der Kastration zurückbrachten, wurden die Katzen im Transporter unruhig und maunzten. Als er endlich zustieg, hörte man ihre Freude im ganzen Auto, auch die Hunde hüpften und waren glücklich, dass „ER“ endlich wieder bei ihnen war. 

Diese Menschen geben alles, obwohl sie nichts haben und man sieht ihnen sofort an, dass sie ihr Herz am rechten Fleck haben – solchen Menschen helfen wir gerne, denn sie bezahlen vieles aus der eigenen Tasche. 

Ein offenes Tierheim für die Streuner Elbasans

Robin Hood steht jedoch nicht nur für Soforthilfe, sondern wir wollen nachhaltige Änderungen bewirken. Das städtische Tierheim liegt uns schon lange im Magen, zweimal durfte ich rein und war entsetzt, Hunde teilweise an Ketten, abgemagert… Auch die Hunde, die von dort zur Kastration gebracht wurden, waren sehr dünn, ängstlich, nass, keiner der Straßenhunde war in einer so schlechten Verfassung. Schon länger tragen wir uns mit dem Gedanken, diese Hunde woanders unterzubringen, dieses sogenannte Tierheim schließen zu lassen und was soll ich sagen. Endlich wird dieser Traum wahr!

Wer unsere Arbeit verfolgt, wird wissen, dass Robin Hood an einem offenen Tierheim in Rumänien mit Hochdruck arbeitet. Viel Land, keine Gitter, Freiheit. Eingezäunt, aber auf riesengroßem Areal. Schattenplätze, Bäume, Hundehütten, Wasserstellen, Licht, Sonne, Wind und Natur sorgen dafür, dass die Hunde dort ein Zuhause bekommen, wie es wohl leider selten ist – Tag für Tag kommen wir diesem kleinen Paradies einen Schritt näher. 

Wir haben dies auch der Stadtverwaltung in Elbasan vorgeschlagen und der Vizebürgermeister fand so sehr Gefallen daran, dass die Stadt nun ein großes Stück Land etwas außerhalb von Elbasan zur Verfügung stellt. Ein Traumgebiet in den Bergen, eine gute Straße führt dahin, aber das Land ist sehr felsig und es wird eine Herausforderung werden, dort das Tierheim zu errichten, aber auch diese Hindernisse werden wir überwinden. Zurzeit arbeiten wir an einem Vertrag mit der Stadtverwaltung, in dem festgehalten wird, wie die Zusammenarbeit aussehen wird. Jon wird natürlich unser Vertragstierarzt, denn damit ist eine ausgezeichnete medizinische Versorgung der Hunde gewährleistet. Im Juni wird der Vertrag unterzeichnet und dann wird es losgehen! Bald sind die Hunde aus dem städtischen Tierheim befreit, es wird geschlossen und wird der Vergangenheit angehören. Für uns ist die einzig artgerechte Tierheimhaltung von Hunden in der Form eines offenen Tierheims möglich. 

Es hat nicht nur offensichtliche Vorteile, wie dass die Hunde laufen und spielen können, Rudel bilden, sondern auch Pluspunkte, was die Gesundheit der Hunde betrifft, liegen auf der Hand. Der Druck, der allein durch die große Hundezahl auf engem Raum auf den Tieren lastet, schafft viele Probleme, physische, wie auch psychische.

Wir werden auch die großen Hunde aus dem Tierheim der Tierschützerinnen holen, Hunde, die keine Chance auf Vermittlung haben, wie ein alter Rottweiler, ein großer Kaukase und andere mehr, die seit langem auf ihre Chance warten. 

Warum wir tun, was wir tun

Ich selbst durfte diesmal wieder im Tierheim mitarbeiten und habe diesen Hunden versprochen, dass sie bald aus ihren kleinen Gehegen kommen.

Auch beim Füttern der Streuner durfte ich wieder dabei sein und es ist herzerwärmend zu sehen, wie die Hunde angelaufen kommen, wenn sie das Auto von Vera hören, die täglich mit ihren Kolleginnen zum Füttern fährt. Selbst spät am Abend kommen sie, Schwanz wedelnd, hüpfend, voll Freude…sie sind wenigstens frei, so hart ihr Leben auch sein mag. 

Das Betriebsgelände, auf dem teilweise verfallene Fabriken stehen, hat etwas gruselig Mystisches, jedes Mal, wenn ich dort bin, weiß ich nicht, ob ich es bizarr schön oder unheimlich finden soll, aber es bietet den Hunden genug Unterschlupf und Schutz vor schlechtem Wetter.

Einsame Welpen in Abbruchhäusern, Mütter mit Kindern, alte Hunde…sie alle sind auf die tägliche Hilfe angewiesen und hier bewahrheitet es sich einmal mehr: „Man kann nicht alle Hunde dieser Welt retten, aber dafür die ganze Welt eines Hundes!“ 

Selbst in den Bergen laufen die Hunde von überall her, sie erkennen Veras Auto ohne Zweifel. Alle Hunde sind zutraulich, keiner ist aggressiv, jeder freut sich auf die Mahlzeit, die aus diesem Wagen kommt. Auch ich freue mich jedes Mal, wenn ich die glücklichen Hunde sehe und ich denke mir, wie einfach ist es, ein Tier glücklich zu machen und wie viele Lebewesen wir Menschen täglich unglücklich machen.

Albaniens Straßen, die sich in die Berge winden, in der Stadt und über Land sind voll von Hunden und Katzen, selbst auf der Autobahn findet man immer wieder Streunerhunde, ausgesetzte Hunde, überfahrene Tiere. 

Ich bin angesichts des Riesenausmaßes an Tierleid oft wie ohnmächtig vor Verzweiflung, aber ich halte mir dies immer öfter vor Augen: Innerhalb meiner Grenzen zu helfen, so gut ich es kann. Jeden Tag einen Schritt weiter zu gehen, nicht vom Weg abzuweichen, Rückschläge anzunehmen, aber sie nicht als Stolpersteine zu betrachten, die das ganze Gute ins Wanken bringen – ganz im Gegenteil, weiter zu machen, aus Fehlern zu lernen und aus kleinen Puzzleteilchen ein großes, schönes Bild zu schaffen.

Und trotzdem: Weitermachen

Leider gab es auch bei diesem Aufenthalt einige traurige Momente, die mich innehalten ließen, Fragen tauchten auf, ob dies alles wirklich einen Sinn macht in Anbetracht des unermesslich großen Tierleids. Aber die Antwort liegt auf der Hand: Ja! Ich durfte viele Hunde versorgen, mit ihnen sprechen, Spielzeug und Leckerlis verteilen, so manches kleines Hundeherz etwas höher schlagen lassen – das ist der Lohn für diese Arbeit, die wirklich nicht einfach ist. Auch die Finanzierung lässt so manche Nacht schlaflos vergehen, was wird die Zukunft bringen? Wie lange kann all das noch finanziert werden? Die Welt steht in Flammen, Kriege erschüttern viele Länder…all dies macht nachdenklich und ist beängstigend, doch macht Angst tatsächlich Sinn? Macht es Sinn, sich jetzt schon zu sorgen? Oder ist es besser dankbar zu sein, dass noch die Hilfe, die nötig ist, gegeben werden kann, Dank unserer UnterstützerInnen, denn ohne diese könnten wir nicht helfen. Nochmals – 1000 Dank an dieser Stelle!

Die Tage verflogen schnell, zu schnell hieß es wieder Abschied nehmen und gerade dieses ständige Abschied nehmen macht einem das Herz schwer. Aber bald bin ich wieder in Elbasan, mit großen Plänen im Gepäck, die das Leben vieler Hunde von Grund auf verändern werden, ein Leben unter Bäumen, Gras unter den Pfoten, den frischen Wind der Berge Albaniens in der Nase…

Bauen wir gemeinsam an einer Zukunft, die nicht nur systemerhaltend ist, sondern ein völlig neues „System“ erschafft, ein neues Leben für Tiere, denen bislang nichts Gutes widerfahren ist.

Danke an Sigrid Riener und ihr tolles Team, danke an Jon, danke an die Tierschützerinnen vor Ort, danke an Euch alle im Namen der Tiere.

„Die Zeit ist immer richtig, um das Richtige zu tun.“ – Martin Luther King Jr.

Marion Löcker

Eindrücke von der Projektreise

Die Kastrationskampagne

Tiere und Begegnungen

Alltag für Mensch und Tier in Elbasan

Ein offenes Tierheim entsteht...

... und so könnte es aussehen