Projektbericht Elbasan, Juni 2026

Ein neuer Weg...

Ankunft und erste Einblicke

Der erste Tag verlief erfreulich, nachdem mich unser lieber Tierarzt Jon vom Flughafen abgeholt hatte, ging es kurz ins Hotel, umziehen, denn in Albanien brütet bereits die Hitze…

Dann wartete ich in seiner Klinik auf unsere Projektpartnerinnen Vera und Marjana, um mit ihnen die Straßenhunde zu füttern. 

In der Klinik sind zur Zeit auch wieder Patienten von Vera, Staupeverdacht, Leishmaniose, Ehrlichiose…gerade die beiden letzten Krankheiten sind extrem häufig hier und die Hunde müssen dringend behandelt werden.

Wir planen nun eine Behandlung aller 130 Tierheimhunde und feilen gerade an einem Plan, wie wir dies finanzieren. Mehr darüber noch an späterer Stelle.

Straßenhunde in Elbasan

Im aufgelassenen Betriebsgebiet von Elbasan warten die Hunde an allen Ecken und Enden und es berührt mich jedes Mal zutiefst, wie sie angelaufen kommen, wenn sie Veras Auto hören. 

Alle umringen uns, sind zutraulich, freundlich…Welpen stolpern unbeholfen aus notdürftig gebastelten Verschlägen, Wasser wird aus Kanistern in aufgeschnittenen Plastikflaschen bereitgestellt – die Hitze ist bereits gnadenlos und die Hunde trinken begierig das kühlende Nass.

Viele der Streuner haben hier Namen, die Tierschützerinnen kennen sie alle und wissen auch, wo Junge sind. Ohrmarken bei den Hunden zeigen, dass sie bereits kastriert sind. 

Diese findet man auch in der Stadt Elbasan, viele sind von uns kastriert geworden und tragen die runden, gelben Ohrmarken. Ein Zeichen, dass unsere Arbeit Früchte trägt. Diese Hunde werden von Tierfreunden gefüttert, leben auf ihren angestammten Plätzen und machen einen gesunden und gepflegten Eindruck.

Am Betriebsgelände gibt es jedoch auch Hunde, denen man das harte Leben ansieht, ein Hund zittert beim Essen, wohl eine traurige Erinnerung an eine überstandene Krankheit. 

Edi Rama, ein großer Hund, nach dem albanischen Ministerpräsidenten benannt, nicht diesem zu Ehren, sondern weil der Hund wirklich sehr groß ist, hinkt…schon immer… vertrauensvoll nähert er sich sogar mir, obwohl er mich nun gerade wirklich nicht gut kennt. 

Die Tierschützerinnen streuen das Futter schnell und versiert an verschiedenen Plätzen aus, alles ist eingespielt und zeugt von großer Erfahrung… das Trockenfutter wird immer mit Dosenfutter verfeinert und die Hunde machen sich schnell über die tägliche Mahlzeit her. Wasser wird aufgefüllt, die leeren Behältnisse werden davor jedoch immer gereinigt, auch Straßenhunde benötigen ein Mindestmaß an Hygiene. 

Meine Aufgabe ist es zu filmen und zu fotografieren, damit ich diese wunderbare Arbeit unseren UnterstützerInnen zeigen kann, denn Spenden werden immer gebraucht, der Tierschutz macht keine Pause.

Tierheimalltag

Danach fahren wir ins Tierheim, auch dort ist die tägliche, große Fütterung angesagt. In einer Scheibtruhe werden Trockenfutter und Dosenfutter sorgsam vermischt und von Gehege zu Gehege wird das Futter gekarrt, die gereinigten Futternäpfe werden aufgefüllt und dann geht es ab in die Hundemägen :-).

Alle Gehege werden sorgsam gereinigt, alles ist frisch und sauber. Trotzdem, es ist und bleibt ein Tierheim und alle Hunde warten auf ein neues Zuhause. 

Robin Hood wird die großen Langzeitinsassen mit ins neue, offene Tierheim nehmen, wie einen Rottweiler, eine große Kaukasenhündin und andere mehr. 

Leider grassieren in Albanien wie erwähnt die Mittelmeerkrankheiten und auch Parvovirose und Staupe. Eine Schäferhündin, die ich noch vom April kenne, sie wurde vom städtischen Tierheim zu unserer Kastrationskampagne gebracht und war sehr verhungert, ist nun bei Vera im Tierheim und hat augenscheinlich Leishmaniose, ihr Fell sieht furchtbar aus, die Augen eitrig. Sie ist bei Jon in Behandlung und da sie brav isst, wird sie hoffentlich bald wieder gesund sein. Luiza heißt sie und auch sie ist eine Kandidatin für das offene Tierheim, falls sie nicht adoptiert wird. Viele Hunde werden in Italien adoptiert, auch unser Akita Inu Hachiko, mit dem ich im April immer spazieren war, steht auf der Liste. Er wurde von Vera gefunden, schwer verletzt, das Brustgeschirr im Fleisch fast eingewachsen, eine Riesenwunde klaffte auf einer Seite. Jon konnte ihn retten und er ist ein wunderschöner Hund, der sicher bald ein neues Zuhause findet, wenn nicht, dann wird auch er in unser offenes Tierheim wandern. 

Einige Hunde laufen frei am Gelände, sie zählen zu den Glücklichen. Ein Grundstück wurde extra eingezäunt, hier laufen die von Vera geretteten Schafe und Ziegen, ein Schaf bekam sogar hier ihr Baby, dazwischen tummeln sich kleine Hunde, die die Schafe gerne ägern, aber diese lassen sich absolut nichts gefallen vom Hundevolk.

Alles macht einen sauberen, gepflegten Eindruck, Vera und Marjana leisten hier gute Arbeit und auch die zwei Arbeiterinnen Moza und Drita sind ständig am Putzen.

Spät abends machen wir uns auf den Heimweg und der zweite Tag wartet schon auf uns.

Unser Plan: Ein offenes Tierheim

Sonnenschein empfängt uns auch heute und es wird wieder ein heißer Tag, sowie wohl ein heißer Sommer in Albanien erwartet wird, zum Leidwesen all jener, die täglich auf der Suche nach Wasser sind. In der Klinik von Jon planen wir das Treffen mit der Stadtverwaltung, überlegen, welche Kosten die Stadt tragen soll und welche von Robin Hood gedeckt werden. Auch über die Arbeiter vor Ort machen wir uns Gedanken, denn sie sollten sich um die Hunde kümmern und müssen gute Arbeit leisten. Ein Container für die medizinischen Behandlungen wird gebraucht, einer für die Arbeiter oder ein gebrauchter Wohnwagen, ähnlich dem, den wir für das offene Tierheim in Rumänien gekauft haben. 

Vieles ist zu bedenken, aber zuerst muss das Land vermessen werden und dann der Zaun errichtet, das wird bei dem felsigen Gelände eine große Herausforderung, nicht zuletzt auch finanziell.

Unterwegs zu den Hunden in den Bergen

Am Nachmittag fahre ich mit Vera und Marjana in die Berge zum Hunde füttern, auch dort werden die beiden Frauen schon sehnsüchtig von ihren felligen Freunden erwartet. 

Vera arbeitet extrem gewissenhaft und lässt keinen Hund unversorgt, ist einer nicht zu finden, wird gerufen, gehupt – die Hunde kennen ihr Auto schon. Sobald alle da sind, wird Futter bereitgestellt. Am Straßenrand steht ein erbärmlich aussehender Hund, der uns mühsam entgegen humpelt, für ihn hat Vera Medikamente, die sie ins Futter mischt. Sie kennt jeden Hund und seine Krankheiten und Beschwerden. Wir füttern kleine Katzen, deren Mutter verschwunden ist und behandeln einen Hund mit antibiotischem Blauspray, der eine Wunde am Schwanz hat.

Kleine Kätzchen werden neben einem Lokal gefüttert, hungrig wagen sie sich aus ihrem Versteck und machen sich über das Futter her, auch ihre Mutter ist nicht mehr zu finden…

In den Bergen ist es wunderschön, die Landschaft ist wild und alles ist nicht so modern wie in anderen Ländern. Hier findet man noch handgeschriebene Hinweisschilder für Restaurants, Autowerkstätten neben der Straße, die etwas eigentümlich anmuten, alles geht in einem etwas gemäßigterem Schritt als bei uns…man sitzt im Café, plaudert, die elende Hetze ist in Albanien generell weniger verbreitet, was es aber sehr sympathisch macht.

Bewegende Begegnungen

Von überall kommen die Hunde gelaufen, in freudiger Erwartung, alle sind lieb, ich habe Kaustangen mit, die gleich interessiert angenommen werden. 

Auf völlig verlassenen Plätzen, wo wer weiß was geschützt werden muss, fungieren Hunde als Bewacher. Ein Schäfer angekettet, zumindest aber hat er eine Hundehütte, genauso ein Mastiff, schwarz und groß, nähert sich mir, soweit seine Kette es zulässt, Schwanz wedelnd. Ich nähere mich langsam und er kommt zu mir, freundlich, lässt sich streicheln. Ein Welpe läuft dazwischen herum, wer ist wohl seine Mutter? Aber auch er hat eine Hundehütte. Marjana füttert alle und wir lassen auch Futter zurück. 

Ein Schicksal, das wohl viele Hunde Albaniens teilen…

Es ist heiß, wir fahren zurück zur Metallurgia, einem Betriebsgebiet, teilweise noch intakt, teilweise mit dystopisch anmutenden, verfallenen Fabriken. Überall tummeln sich Hunde, laufen hinter dem Auto her, springen hoch, überholen uns…die Freude ist ihnen ins Gesicht geschrieben. Mich berührt das Ganze immer wieder sehr…diese kleinen Wesen, auf sich gestellt, jeden Tag bei jedem Wetter, auf der Suche nach Nahrung und Wasser… Eines ist erfreulich: Immer mehr der Hunde hier tragen unsere gelbe Ohrmarke, ein Zeichen, dass sie kastriert sind. Auch hier sind manche krank und bekommen Medikamente. Ein Hund hat die Staupe wohl überstanden, zeigt aber die typisch neurologischen Symptome, aber er lässt sich das Futter schmecken und ist guter Dinge. 

Eine neue Straße ist hier im Entstehen und außerhalb eines Baugeländes sind drei Hunde, zwei davon so kleinwüchsig und süß, dass sie bei uns wohl sofort ein neues Zuhause finden würden. Alle Drei kommen eilig herbei, lassen sich streicheln, freuen sich und schlingen gierig das Futter, das eigens auf einem Plastiksack angerichtet wird, hinunter. Sie alle zurückzulassen fällt mir immer schwer…aber wenigstens sind sie frei.

Neben dem schauerlich anzusehenden Gefängnis – die Wachen patrouillieren hinter dem Stacheldraht – finden wir auch Hunde. Vera erzählt mir, nachdem wir einige Hunde des städtischen Tierheims kastriert haben, hat die Stadtverwaltung sie hier ausgesetzt und der Besitzer eines kleinen Cafés in der Nähe hat sie mit Steinen erschlagen…wir finden Überbleibsel… das Fell eines Hundes. Ich kann es nicht verifizieren, aber Vera wird es wissen…bedrückt füttern wir Hunde, die angelaufen kommen, zum Glück aus weiter Entfernung zu dem Mörder. Sie sind so lieb, als würden sie täglich mit uns leben…auch sie bekommen von mir Leckerlis, etwas, das sie gar nicht kennen und schnell laufen sie damit im Mund herum und freuen sich ihres Lebens. Wie einfach und schnell kann man ein Hundeherz höher schlagen lassen!

In einer Seitengasse, auch hier ein Betriebsgelände, laufen uns sofort an die zehn Hunde entgegen, alle hellbraun, drei Welpchen mischen sich darunter, auch ihre Mutter ist dabei. Ich steige aus dem Auto und alle begrüßen mich als würden sie mich ewig kennen. Ein Mann kommt und spricht mit Vera, er arbeitet wohl hier, er streichelt die Hunde, nimmt Futter entgegen, das sehe ich immer wieder. Vera ist bekannt und sogar auf der Straße wird sie angesprochen, sie gibt Tipps, teilt Medikamente aus, gibt ihre Telefonnummer weiter, damit Kastrationen mit Jon vereinbart werden können. Man sieht hier zum Glück auch viele Menschen, denen die Tiere am Herzen liegen. 

Ein langer Tag

Es wird immer später, ein Gewitter zieht drohend hinter den Bergen auf, wir müssen uns beeilen, denn auch im Tierheim muss noch gefüttert werden.

Endlich dort angekommen, sind die beiden Frauen noch am Putzen, eilig befüllen wir die Scheibtruhe und fahren von Gehege zu Gehege, um die Näpfe aufzufüllen, gerne beteilige ich mich an dieser Arbeit. Vera geht zu den Schafen und Ziegen, füttert die Hunde dort, verteilt Medikamente. Es ist nach 22 Uhr als wir das Tierheim verlassen, auch die beiden Arbeiterinnen werden noch nach Hause gebracht – ein langer, arbeitsreicher Tag liegt hinter uns. In der Nacht kommt ein Gewitter, es schüttet, blitzt und donnert…ich denke an die Hunde, die sich vor Gewittern fürchten, was wird mit ihnen sein? Oder sind sie alle gewohnt daran? 

Kranke Hunde

Der letzte volle Tag bricht an, nach dringender Büroarbeit am Laptop holt Jon mich ab und wir fahren in die Klinik, wo ich auf Vera und Marjana warte. Gemeinsam fahren wir ins Tierheim, ich verteile die mitgebrachten Leckerlis, das Spielzeug und sammle Müll ein, während die Frauen putzen und füttern. 

Wir haben viele Hunde mit Leishmaniose und Ehrlichiose im Tierheim, Probleme, die uns in Rumänien zum Glück noch nicht erreicht haben…die Behandlung ist langwierig und kostenintensiv. 

Wir planen, alle Hunde prophylaktisch zu behandeln, aber wir haben zwei schwere Fälle – eitrige Augen, schlechtes Fell…beide Hunde essen jedoch und sind guter Dinge. 

Einen Hund kannte ich noch von der Kastrationsaktion im April, er wurde von der Stadtverwaltung vom städtischen Tierheim gebracht und sah elend aus, völlig abgemagert…jedoch augenscheinlich gesund. Wir kastrierten ihn, ich fütterte ihn täglich mit Leckereien und nahrhaftem Futter, schließlich nahm Vera ihn in ihrem Tierheim auf. Als ich ihn nun suchte, erkannte ich ihn kaum wieder – das Fell schütter und farblos, die Augen verklebt,  sein Kumpel im Nachbargehege sah nicht besser aus. Wir brachten sie einzeln im Auto in die Klinik, noch im Auto wurde Blut abgenommen, um die Hunde nicht zu sehr zu stressen…beide waren völlig ruhig und brav in Mozas Armen. 
Moza weinte die ganze Zeit im Auto, als würden wir ihre Lieblinge zur Schlachtbank bringen, wir versuchen sie zu beruhigen. 

Ich bin bewegt, wie sehr diese Frau, die augenscheinlich selbst nicht viel besitzt, an diesen Hunden hängt. Einmal mehr bestätigt sich die Theorie, dass arme Menschen diesen armen Wesen viel näher sind, als Leute, die täglich im Luxus leben und vom wahren Leben nichts mitbekommen. Wer ist hier nun arm und wer ist reich? Ich kann diese Frage für mich beantworten, denn ich fühle genauso. Hier fühle ich mich wohl, die Kleidung verziert von Hundepfoten, Hundehaare überall, Hitze, Stress. Doch wie auch in Rumänien, so fühle ich mich auch hier wohl, ohne schicker Kleidung und tollen Restaurants.
Ganz ehrlich, selbst wenn ich die Wahl hätte, würde ich immer dieses Leben wählen. Ich bin glücklich, wenn ich mit Robin Hood alles halbwegs finanzieren kann, wenn ich sehe, dass wir immer wieder Lebewesen, die Hilfe brauchen, diese gewähren können. Der Gedanke, dass wir so wenig tun können, begleitet mich immer, aber jeder Schritt, jede Hilfe ist richtig und wichtig. 

Der Schnelltest ergab leider kein gutes Ergebnis: Die junge Schäferhündin mit den entzückenden Ohren ist Leishmaniose positiv, die schwarze Nachbarin hat es noch schlimmer getroffen: Leishmaniose und Ehrlichiose. Bei beiden Hunden wurde die kostenintensive und langwierige Behandlung begonnen, beide bekamen ein Halsband gegen Stechmücken, denn sie können die Krankheit von sich durch bestimmte Mücken auf andere Hunde übertragen, dies gilt es zu verhindern.

Wir werden alles tun, um diese Behandlung zu finanzieren und diese beiden entzückenden Hundemädchen zu retten.

Tägliche Hilfe - Trotz Regen und Staub

Nach dem Tierheim machten wir uns gleich wieder auf den Weg zum Betriebsgebiet, unsere hungrigen Lieblinge warteten schon. 

In der Nacht war ein schweres Gewitter niedergegangen, überall standen riesige Wasserpfützen, die Hunde waren ganz schwarz vom feuchten Kohlenstaub oder was auch immer der schwarze Staub ist…

Aber wenigstens finden sie nun etwas zu Trinken und viele Hunde nützen die Gelegenheit.

Vera und Marjana warten bei jedem Stopp – rufen nach den Nachzüglern – so lange bis alle Hunde erschienen sind und verteilen dann das Futter sehr sorgfältig – legen sie es auf leere Futtersäcke.

Hunde, die krank sind, bekommen ihre Medikamente, alles ist gut strukturiert und verläuft nach Plan. Dabei komme ich mir etwas überflüssig vor, fotografiere und filme daher und versuche, diese wundervolle Arbeit mit der Kamera einzufangen, doch diese einzigartige Stimmung lässt sich nicht nachvollziehen, man muss dabei sein.

Warum wir das tun

Marjana ist hinten im Laderaum und ich fungiere zusätzlich als Türschließer, somit bin auch ich aktiver beteiligt. Aber die Frauen wissen, meine Aufgabe ist es, die notwendigen Spenden zu bekommen, damit all dies finanziert werden kann. Der Tierschutzverein Robin Hood hilft monatlich mit Futtergeld und bezahlt außerdem die Tierarztkosten.

Wie berichtet ist nun ein sogenanntes offenes Tierheim, an dem wir zur Zeit auch in Rumänien arbeiten, etwas außerhalb von Elbasan geplant. Die Stadtverwaltung Elbasan gibt uns ein großes Grundstück und die Kosten für alles Notwendige werden aufgeteilt.

Die Hunde sind so zutraulich und freundlich, obwohl sie mich nicht kennen, diese ganzen Horrorgeschichten über die gefährlichen Streunerhunde kann ich nicht nachvollziehen, weder in Rumänien, noch in Albanien, nicht in Armenien oder sonstwo. 

Diese Hunde sind einzigartige, wertvolle Lebewesen, die ein hartes Leben führen. Trotzdem haben sie sich ihre Freundlichkeit und Unbekümmertheit bewahrt, wir Menschen können uns daran ein Beispiel nehmen. Ein Hund ist mir schon beim letzten Mal aufgefallen, er sieht aus wie ein schlanker Jagdhund, aber ständig zuckt er am ganzen Körper, nur wenn er läuft, ist er normal. Ich tippe auf eine überstandene Staupekrankheit, aber Jon sagt mir, es könnte auch Ehrlichiose gewesen sein. Wir einigen uns darauf, dass er den Hund behandelt – obwohl der Hund sicher nicht mehr krank ist – damit dieses Verhalten zumindest eingeschränkt werden kann. 

Diese sogenannten Mittelmeerkrankheiten sind hier eine Peinigung, sehr viele Hunde sind davon betroffen, leiden sehr und unbehandelt sterben sie daran. 

Nicht nur die freilaufenden Hunde werden versorgt, immer wieder bleiben wir bei Betrieben stehen, die noch arbeiten, Hunde bellen hinter den Toren, manchmal kommen Arbeiter heraus, die das Futter entgegen nehmen, manchmal wird Futter über Zäune manövriert, unter großen Einfahrtstoren durchgeschoben, den Tierschützerinnen ist kein Aufwand zu groß. 

Schon wieder ist es dunkel, obwohl die Tage ja immer noch länger werden, wir haben Juni…21 Uhr schon wieder…wir müssen uns beeilen, Moza und Drita sind noch im Tierheim, wir holen sie ab und bringen sie nach Hause. Jede bekommt von mir 20 Euro und sie freuen sich sehr, daheim warten schon „ihre“ Hunde auf sie, kastriert natürlich und mit Ohrmarken versehen.

Gespräche mit der Stadt

Der letzte Tag, Freitag, ist angebrochen, heute treffe ich mich mit einer Delegation der Stadtverwaltung. 

Meinen Vertragsentwurf habe ich bereits geschickt und Jon hat ihn ergänzt und übersetzt, ohne ihn wäre all das nicht möglich und einmal mehr bin ich dankbar, in jedem Land jemanden zu haben, der mir bei der Realisierung meiner Pläne hilft.

Der Vizebürgermeister selbst ist anwesend, außerdem noch jemand von der Abteilung für Urbanismus und Städtebau, ein Herr von der Forstbehörde, der Tierarzt vom bestehenden städtischen Tierheim, eine Juristin und ein Beamter vom Katasteramt. 

Der Entwurf wird angenommen, doch nun sind noch einige Hürden zu nehmen, denn es muss Robin Hood Albanien gegründet werden, so will es das Gesetz, teilt uns die Juristin mit. Meine Freude darüber hält sich in Grenzen, bedeutet dies einmal mehr Bürokratie und Aufwand, aber der Vizebürgermeister verspricht uns zu helfen.

Leider hatte der Bürgermeister aufgrund einer anderen Besprechung keine Zeit für uns, aber er stimmte dem Projekt bereits zu. 

Wir müssen nun ein Budget erstellen, auch die Stadtverwaltung hat ihre Aufgaben zu lösen und dann kann es losgehen. 

Der Zaun wird sicher teuer werden, auch die Arbeiten sind eine Herausforderung, da das Gelände sehr felsig ist, aber ich bin zuversichtlich. 

Abschied und ein Dankeschön

Einmal noch geht es zurück in Jons Tierklinik, Verabschiedung von Big Head, einem großen Hund, der jeden Tag zwischen dem Tierheim und der Klinik „pendelt“. Er ist ein Ausbrecherkönig und springt über die höchsten Zäune…er schafft es sogar, die schwere Eingangstür in die Klinik zu öffnen und ist glücklich, wenn er mit uns ist. 

Vera und Marjana kommen, wieder müssen wir uns verabschieden… 

Ich denke an alle Hunde, im Tierheim, am Betriebsgelände, auf den Straßen…alle die Süßen, die zu uns laufen, wenn sie uns nur erspähen. Wie gerne würde ich länger bleiben, aber meine Hunde warten auf mich und die Hunde in Rumänien und die anderen Projekte. Dieses ständige Abschiednehmen zerrt an meinen Nerven, niemals kann ich irgendwo bleiben…eine Nomadin im Tierschutz.

An dieser Stelle nochmals meinen allerherzlichsten Dank an alle, die uns helfen, all dies zu verwirklichen. Wir sind nur Tröpfchen auf den heißen Steinen des Tierleids, aber jedes Tröpfchen trägt zur Linderung bei.

 

Marion Löcker

Juni 2026

Eindrücke von der Projektreise

Auf den Straßen der Stadt

Im Tierheim

In der Paw Clinic

Unterwegs in Elbasan...